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Fundkater Sid

SidEuropäische Hauskatze, männlich/kastriert, ca. 2019, Fundkater...

 



SidLeben mit Hydranenzephalie - unser Sid ist ein Kämpfer

sehen Sie hier ein Video von SID

Am 13.08.2019 bekamen wir einen Fundkater aus Schlitz. Der kleine Kerl war schockiert und verwirrt über die neue Situation - orientierungslos und vom ersten Anschein her taub und blind. Die erste Annahme war ein Unfall und die Hoffnung, dass sich sein Zustand mit etwas Ruhe bessern würde, war hoch. Das süße Katerchen reagierte auf manche Spielbewegungen und auf hohe Töne oft erschrocken und ängstlich. Da er *meist* auf die Toilette ging und ganz normal Nahrung zu sich nahm, hofften wir weiter, dass sein Zustand sich nach und nach bessern würde. Wir tauften den kleinen ungewöhnlichen Kerl Sid.

Nachdem Sid sich an die Situation bzw. an seine Umgebung gewöhnt hatte und dennoch nicht "normal" zu sein schien, wurde ein MRT bei unserem Jungspund gemacht. Sid's Hirn sah leider nicht aus, wie es aussehen sollte. Für eine bessere Diagnose blieb unser tapferer Bube eine Nacht bei einem Spezialisten. Am nächsten Tag konnten wir ihn wieder in unsere Arme schließen und mit nach Hause nehmen.

Das MRT zeigte, dass Sid einen Verdacht auf einen Hydrocephalus, auch bekannt als Wasserkopf, hatte. Um festzustellen, ob er Schmerzen, also Druck auf seinem Hirn hat, musste man seine Schädeldecke öffnen und Liquor, also Hirnflüssigkeit, entnehmen.

Die gute Nachricht: Sid hat keine Schmerzen. Es herrscht kein Druck in seinem Kopf.
Die schlechte Nachricht: es handelt sich nicht um einen Wasserkopf, sondern um ein Blasenhirn. Dieses nennt man in der Fachsprache Hydranenzephalie. Es handelt sich hierbei um eine seltene Krankheit, bei der die Großhirnhemisphären, also Teile des Großhirns, weitgehend fehlen. Statt eines funktionalen Nervengewebes finden sich große liquorgefüllte Hohlräume. Die Krankheit ist angeboren und nicht heilbar.

Da Sid's Hirn sich also niemals voll entwickeln kann, wird er mit höchster Wahrscheinlichkeit immer so bleiben, wie er heute ist. Er hat Probleme mit der Lokalisierung von Geräuschen, sieht nur sehr bedingt und hat ataxie-ähnliche Bewegungsstörungen. Außerdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Sid epileptische Anfälle bekommt oder wie alt er werden wird.

Wir haben Sid sehr lange und intensiv beobachtet, um sein Verhalten genau einzuschätzen und möglichen Interessenten erklären zu können.

Zu Beginn kam Sid in einen unserer Zimmerkäfige, damit er die Geräuschkulisse eines Tierheimalltags mitbekommen kann, ohne sich direkt an ein ganzes Zimmer gewöhnen zu müssen. Seinen Käfig kennt er mittlerweile recht gut - nach wie vor frisst er normal und geht auch regelmäßig auf sein Katzenklo, wobei manchmal etwas daneben gehen kann.
Doch hier traten bereits die ersten großen Fragen auf. Denn an manchen Tagen ist Sid's Käfig voller Kot geschmiert, an anderen ist er so sauber, wie wir ihn hinterlassen zum Feierabend. Natürlich stellte sich uns hier die Frage, warum das passiert und vor allem warum nur nachts?

Sid hat nun also eine Kamera in seinem Käfig hängen und - wie sollte es auch anders sein - seitdem diese dort hängt, gab es keine "Zwischenfälle" mehr.
Wir können, wie bereits oben im Text erwähnt, nicht ausschließen, dass Sid bereits epileptische Anfälle hatte. Ebenfalls können wir aber auch nicht ausschließen, dass er seinen Kot mit einem Spielzeug verwechselt, oder es an seinen seinen Pfoten hängen hatte und es so überall gelandet ist ...

Die Kameras hängen weiterhin an Ort und Stelle und werden regelmäßig durchgesehen.

Wie bei vielen Krankheiten, hat auch Sid gute und schlechte Tage. Wenn wir dabei sind, läuft er im Zimmer mit seinen Artgenossen. Er braucht lange, um neue Gegenstände oder fremde Katzen wahrzunehmen bzw. diese Information zu verarbeiten. Mit Spielen kann er (noch?) nicht sonderlich viel anfangen, da er spielerische Attacken von Artgenossen nicht vorher wahrnimmt und es somit oft als Angriff interpretiert und dann auch um sich schlägt.

Wenn Sid etwas nicht passt, beisst er schnell mal zu - man muss vorsichtig und liebevoll mit ihm umgehen, dann beschnuppert er auch Hände, leckt diese ab und schnurrt.
Wenn Sid entspannt ist und von seinen Artgenossen beispielsweise geputzt wird, findet er das zwar etwas verwirrend, aber er rennt nicht weg oder wehrt sich.

Auch für uns ist der Umgang mit einer solchen Krankheit ganz neu. Aber eines steht fest: Sid soll Leben! Doch was ist das für ein Leben im Tierheim? Sid ist eingesperrt für seine eigene Sicherheit, da unsere Zimmer darauf ausgelegt sind, dass Katzen vor allem nach oben klettern können - Sid kommt hoch, aber nicht wieder herunter und könnte sich dabei stark verletzen! Ständig wechselt das Mobiliar, die Mitbewohner, die Besucher.

Sid braucht mehr als dringend ein ruhiges Zuhause, in dem er Zeit hat, sich an Alltagssituationen und -geräusche zu gewöhnen, in dem eine oder mehrere liebe vorhandene Katzen leben und nach größter Möglichkeit bei Menschen, die Erfahrung mit behinderten Katzen, natürlich am liebsten mit *dieser* Krankheit, haben.


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